Vorwort

 

Um die Einöde in Bad Niedernau, besonders in der Fasnetszeit, zu
verdrängen, haben ein paar Mitbürger am 11.11.1981 eine "Narrenzunft"
ins Leben gerufen. Sie besteht allerdings nur während der Fasnetszeit!.

 

Mit dieser Mitteilung im örtlichen Amtsblatt fing alles an. War
dies nun ein jugendlicher Scherz oder steckte mehr dahinter?

 

Für die Jugend in Bad Niedernau war anfangs der achtziger Jahre
relativ wenig geboten. Für den örtlichen Jugendclub fühlte man sich zu alt, für
die etablierten Vereine zu jung. So war ein Vakuum vorhanden, dass es
auszufüllen galt. Obwohl es nie geplant war, einen "richtigen" Verein
mit Satzung, etc. zu gründen, hat es sich doch so entwickelt.

 

Am Anfang stand der Spaß im Vordergrund und so ist es auch bis
heute geblieben.

 

Den anderen Freude zu bereiten und selbst Freude daran zu haben,
das ist der rote Faden, der die Narrenzunft Bad Niedernauer
"Stoagrättle" die letzten 35 Jahre durchzogen hat.

 

Zum ersten Mal fiel der Begriff "Narrenzunft" im Sommer
1981.

Von Anfang an wurde die Bewegung "Narrenzunft" von den
ältesten Einwohnern Bad Niedernaus voll unterstützt.

 

Zu nennen seien hier, stellvertretend
für viele, Altbürgermeister Josef Renner, Adolf Eggenweiler, Rudolf Schall, der
sogar anfangs dem Narrenrat angehörte und nicht zuletzt Bildhauermeister
Heinrich Schneider.

 

Auch darf an dieser Stelle der damalige Ortsvorsteher Anton Paul
nicht unerwähnt bleiben. Sie und andere förderten den Aufbau der
"Narrenzunft". Von einem Generationenkonflikt konnte also keine Rede
sein.

 

So nach und nach entwickelte sich aus dem zarten Pflänzchen
"Narrenzunft" ein stattliches Gewächs.

 

Und genau auf diese Besonderheit sind die Bad Niedernauer Narren
stolz. Stolz darauf, dass sich die "Stoagrättle" in einem für heutige
Verhältnisse langen Prozess nach und nach entwickelt haben. Die Bad Niedernauer
Narrenzunft hat eine gewachsene Struktur und eine gesunde Entwicklung hinter
sich.

 

So gilt es an dieser Stelle allen Dank zu sagen, die vor und
hinter den Kulissen, auf verschiedenste Art und Weise, manchmal laut und
manchmal leise, den Aufbau der Narrenzunft vorangetrieben und unterstützt
haben.

 

Auch in Zukunft wird sich die Narrenzunft Bad Niedernauer
"Stoagrättle" weiter entwickeln. Bad Niedernau hat Zukunft, und davon
profitieren auch die Bad Niedernauer Vereine und Organisationen, zu denen man
immer ein gutes und kameradschaftliches Verhältnis hatte.

 

Und so hoffen wir noch lange, in der näheren und weiteren
Umgebung, unsere Späße treiben zu können. Denn Narr bleibt Narr und Fasnetsbutz
bleibt Fasnetsbutz, allerdings nur so lange, wie er sich selbst den Narrenspiegel
vors eigene Gesicht halten kann.

 

Historisches

 

Ob es in Bad Niedernau althergebrachte historische Fasnetsbräuche
gibt, lässt sich nicht unbedingt belegen. Eindeutig ist aber, dass schon zu
Beginn des 19. Jahrhunderts in Bad Niedernau Fasnet gefeiert wurde.

 

So bewarb sich im Jahr 1801 der Niedernauer Badwirt Camesaska und
der Kronenwirt Albert Riedlinger beim "hochlöblichen Oberamt" um die
"Begenöhmigung, diese hayrige Fasching etwelche Bälle auf dem hiesigen
Rathhause abhalten zu dörfen".

 

Im Gedicht "Der Krakauer Jahrmarkt - Eine Maskerade",
veröffentlicht am 08. Februar 1842 im Neckarboten, ist die Erwähnung vom
Niedernauer Bade, dort Fasnet abgehalten zu haben.

 

In der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wurde in Bad Niedernau
immer wieder Fasnet gefeiert. Zu erinnern sei an die vielen Fasnetsbälle und
Kappenabende, welche die örtlichen Vereine und Organisationen in den Bad
Niedernauer Gaststätten feierten.

 

Bei den Kindern war zur Hauptfasnet das "maschgra" sehr
beliebt. Verkleidet zogen sie von Haus zu Haus. Dabei wurde ein alter
Fasnetsbrauch, das "Aufsagen", gepflegt.

 

Mit Gedichten wie

 

"I be an armer Fasnetsbutz ond hau koan Pfennig Geld,

 

ond wenn dr mir an Kreuzer geisch,

 

no bene wieder bschdelt", oder

 

"Horig, horig, horig isch dia Katz,

 

ond wenn dia Katz ed horig isch,

 

no ischs koa reachte Katz", oder

 

"Lustig lustig Fasenacht,

 

wenn mei Muader Kiachle bacht,

 

wenn se aber koane bacht.

 

no ischs koa reachte Fasenacht",

 

erfreuten sie die Bevölkerung und erhielten dafür Süßigkeiten.

 

 

 

 

Narrenzunft Bad Niedernauer "Stoagrättle" 1981 e. V.
Bachstr. 61
72108 Bad Niedernau

 

 

 

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